Unsichtbare Verbindungen

Im Herbst tauchen sie wieder auf: Die Haubenpilze schrauben sich wie aus dem Nichts aus der Rasenfläche empor. Pilze gehören zum Herbst, aber sie gehören eigentlich nicht in die Pflanzenwelten! Pilze sind keine Pflanzen. Wir finden die Pilze im Laden in der Regel in der Gemüseabteilung und daher kommt oft die Frage: Warum sind Pilze keine Pflanzen? Was sind sie dann?

Was ist eine Pflanze?

Die Pflanzen unterscheiden sich auf der Zellebene von den Tieren dadurch, dass sie ihre Zellen mit einer festen und damit starren Zellwand umgeben. Die tierischen Zellen sind hingegen nur von einer “beweglichen” Zellmembran geschützt. Im Gegensatz zu den tierischen Zellen bilden die pflanzlichen Zellen in der Regel die Chloroplasten aus, mit denen die Photosynthese betrieben werden kann. Als Ausnahme gelten hier die Parasiten, die keine Photosynthese betreiben.
Da die Pilzzellen auch Zellwände haben, ist das entscheidende Kriterium auf der Zellebene das Material, aus dem die Zellwand besteht. Die pflanzlichen Zellwände bestehen aus Cellulose und manchmal ist die Cellulose durch Lignin verstärkt, dann verholzen sie. Im Gegensatz dazu bilden die Pilze ihre Zellwände aus Chitin. Dieses Material verwenden auch viele Insekten und Krustentiere und daher werden die Pilze eher in die “tierische” Ecke gedrängt.

Verbindung der Pilze zu den Pflanzen …

Da die Pilze genau wie die Vollschmarotzer allein aus sich heraus keine Energie erzeugen können, müssen sie mit den pflanzlichen Energieerzeugern eine Verbindung eingehen. Manchmal dient eine Verbindung zwischen Pflanze und Pilz beiden, manchmal wird die Pflanze durch den Pilz geschwächt und in anderen Fällen zersetzt der Pilz bereits totes organisches Material der Pflanzen.

Ein typischer Vertreter der Zersetzung bereits abgestorbener Pflanzenteile sind die Champignons (Agaricus). Der Champignon ist der weltweit bedeutendste Kulturpilz und gehört zu den beliebtesten Speisepilzen.

Champignon

Pilze, die mit einer Pflanze eine Symbiose eingehen, entziehen sich einer Kultivierung. Sie kommen weniger in Gärten oder Parks vor, sondern sie sind meist im Wald anzutreffen. Pilzsammler, so scheint es, sind freiheitsliebende Menschen, die gerne im Wald sind und ein Gespür dafür entwickelt haben, wo die Pilzhüte zu finden sind. Auf der Suche nach den Pilzen spüren sie die unsichtbaren Verbindungen zwischen Baum und Pilz auf. Der Pilz besteht aus vielen weit verzweigten “Pilzfäden”, dem Mycel, das mit dem Wurzelsystem der jeweiligen Wirtspflanze verbunden ist. Die Fruchtkörper, die wir dann suchen, wachsen meist in einem Abstand von 1 - 2,5 Metern von dem Stamm der Wirtspflanze entfernt. Der gemeine Steinpilz oder Fichten-Steinpilz (Boletus edulis) lebt häufig eine Symbiose mit Fichten, aber auch Buchen, Birken und Eichen. Er hat eine große Bedeutung als Speisepilz und die Sammler können ihn an Händler verkaufen, über die er dann in den Markt zu den Konsumenten gelangt. Ein häufiger Begleitpilz des Steinpilzes ist der Fliegenpilz (Amanita). Beide bevorzugen 20 bis 40 Jahre alte Wälder, die eine gewisse Dichte und Feuchtigkeit aufweisen. Auf der Suche nach Pilzen kann man einmal in die eßbare Richtung oder zum Fliegenpilz, in die schamanische bewustseinserweiternde Richtung unterwegs sein. Unter den Pilzen gibt es viele sehr giftige Arten, so dass in der Natur eine genaue Kenntnis der verschiedenen Pilze wichtig ist.

Mycel
Mykorrhizapilze bilden eine Symbiose mit ihrem Wirt und erweitern seinen Wurzelradius, während sie vom Wirt miternährt werden.

Pilze können heilen …

Der glänzende Lackporling ist ein Schwächeparasit, der seinen lebenden Wirt, es sind meist Eichen oder Buchen, schwächt. Dabei wächst sein seitlich gestielter Hut aus dem Baumstamm heraus. Da das Fleisch des Lackporlings hart ist, wird er nicht als Speisepilz verwendet. Er genießt aber insbesondere in Asien eine herausragende Bedeutung aufgrund seiner Heilwirkung. Der Schwächung des Baumes durch den Pilz kann aufgrund seiner Heilwirkung für uns Menschen so doch noch etwas Positives abgewonnen werden. Der weltweit vorkommende Pilz wird auch hier zunehmend als Reishi-Tinktur oder herkömmlich als Reishi-Tee und sogar als Reishi-Kaffee verwendet. Seine Heilwirkung beruht u.a. auf Polysacchariden, die tumorhemmend und immunstimmulisierend wirken, und auf Triterpenen, die Blutdruck senkend wirken und auch die Cholesterolsynthese sowie die Histaminfreisetzung hemmen. Der Lackporling wird wie viele weitere “Heilpilze” vielfältig von chinesischen und japanischen Heilern eingesetzt. Seit ein paar Jahren werden Pilze auch in Deutschland zunehmend in der Naturheilkunde verwendet.

Reishi

Pflanzenauswahl Eigenschaften
Agaricus bisporus, Champignon enthält viel Wasser, etwas Eiweiß, Vitamin K,D,E und B
Boletus edulis, Fichten-Steinpilz viel Wasser, Eiweiß, Vitamin K, Ergosterol (entzündungshemmend)
Ganoderma lucidum, glänzender Lachporling neben Vitaminen heilen Polysaccharide und Triterpene
Amanita muscaria, Fliegenpilz giftig, traditioneller Gebrauch als Rauschmittel im sibirischen Raum